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Expertenkolumne 28.10.2022 12:10:46

EZB-Kommentar

EZB-Kommentar

Gestern hat die EZB die Leitzinsen um 75 Basispunkte angehoben und angedeutet, dass noch weitere Erhöhungen folgen werden.

• Auf der "dovishen" Seite stellte die EZB fest, dass nun "substanzielle Fortschritte bei der Rücknahme der geldpolitischen Akkommodation" erzielt worden seien. Ausserdem äusserte sie sich besorgter über das Wachstum und den sogenannten "Policy Transition Lag", also die Verzögerung, bis die geldpolitischen Massnahmen wirken, als bei früheren Sitzungen.

• Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte wurde vom Markt aufgrund der etwas weicheren Formulierungen heute ausgepreist, womit der Zins-Peak derzeit bei etwa 2,7 Prozent eingepreist wird.

• Die EZB hat nicht viele Hinweise auf das mögliche Zinsziel gegeben und bleibt fest im Modus "Sitzung für Sitzung".

• Wir erwarten eine weitere Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte im Dezember und einen Übergang zu Schritten von 25 Basispunkten im nächsten Jahr, wenn der Zinserhöhungszyklus von der Normalisierung zur Straffung der Politik übergeht.

• Die EZB beschloss heute auch eine Änderung der TLTRO-Bedingungen, wodurch die verbleibenden Arbitragemöglichkeiten beseitigt und Anreize für Banken geschaffen werden, einen Teil ihrer TLTRO-Kredite vorzeitig zurückzuzahlen.

• Die Rückzahlung der zu Arbitragezwecken aufgenommenen Gelder dürfte kaum Auswirkungen auf die Märkte haben, da diese Gelder bei den verschiedenen nationalen Zentralbanken brach lagen und nie auf den Geldmärkten zirkulierten.

• Die Mindestreserven werden zum Satz der Einlagefazilität und nicht zum Hauptrefinanzierungssatz (HRG) verzinst. Wir sehen keine Auswirkungen dieser Entscheidung auf die Front-End-Märkte. • Die EZB gab heute keine Hinweise zur quantitativen Straffung (QT), deutete aber Entscheidungen auf ihrer bevorstehenden Dezembersitzung an.

• In unserem Basisszenario gehen wir von einer Art passivem APP-Run-off (Asset Purchase Programme), ab dem ersten Quartal des nächsten Jahres aus, was im Falle eines harten Stopps der APP-Reinvestitionen eine jährliche Auflösung von Wertpapieren des öffentlichen Sektors im Wert von rund 250 Milliarden Euro bedeuten würde.

Konstantin Veit, Portfolio-Manager bei PIMCO

Sofern nicht ausdrücklich angegeben, stellen die geäusserten Ansichten keine offizielle Meinung von PIMCO dar.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus."

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