| Experten-Kolumne |
04.10.2018 11:42:32
|
Mobilitäts(R)Evolution
Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der unsere bisherigen Vorstellungen, Handlungs- und Bewegungsabläufe in Bezug auf Mobilität neu definiert werden. Umwälzende Entwicklungen im Bereich der Mobilität werden Unternehmen, Regierungen und Verbraucher gleichermassen stark beeinflussen.
Intelligente Mobilität
Nach tödlichen Unfällen, die bei Testfahrten mit Autopilot von Uber und Tesla verursacht wurden, zweifeln manche an der Sicherheit und Funktionalität des autonomen und vernetzten Fahrens. Dies ändert aber nichts daran, dass sich diese Technologie durchsetzen wird. Im Gegenteil: Langfristig gesehen werden autonome und mit der Umwelt vernetzte Fahrzeuge die Sicherheit auf den Strassen drastisch verbessern. Noch werden 90 Prozent der 35.000 Strassenunfälle allein in den USA durch menschliches Versagen verursacht. Zukünftig könnten viele davon durch sogenannte "Fahrerassistenz- und Autopilot-Systeme" vermieden werden. Aufgrund der Relevanz dieses Themas planen 80 Prozent der weltweit zehn grössten Fahrzeug-Erstausrüster bereits bis 2025 den Einsatz von Technologien zum autonomen Fahren. Auch die Lastwagenbranche verzeichnet Fortschritte. Das Konzept autonomer Lastwagenflotten, die von einem Fahrzeug geleitet werden, wurde in Deutschland, den USA, Schweden und Japan bereits erfolgreich getestet. Etablierte Unternehmen, wie etwa Daimler, General Motors oder Panasonic, haben den Trend längst erkannt und arbeiten an zukunftsfähigen Lösungen.
Mitfahr-Modelle
Staus verursachen allein in den USA Kosten von schätzungsweise 160 Milliarden US-Dollar - samt den 7 Milliarden Stunden, die man im Stau feststeckt, und den mehr als 11 Milliarden Litern Benzin, die man zusätzlich verbraucht. Mitfahr-Modelle durch Unternehmen wie Uber oder Lyft könnten die Anzahl an Fahrzeugen um ein Drittel reduzieren. Für Städte wie London, die unter chronischer Überlastung des Strassennetzes leiden, wäre dies ein Segen: Ein Drittel der Autofahrten wird überflüssig, sobald autonome Mitfahrsysteme eingeführt sind. Bis heute sind deshalb bereits mindestens 32 Milliarden US-Dollar in Start-Ups investiert, die Technologien für unterschiedliche Mitfahrsysteme entwickeln. Anleger sollten allerdings bedenken, dass die Technologien sich zurzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden und es bisher weltweit nur wenige Unternehmen gibt, deren Aktien an der Börse notiert sind.
Vernetzte Fahrzeuge
Auf dem heutigen Stand der Technologie können Fahrzeuge nicht nur mit dem Internet und GPS verbunden werden, sondern auch andere Fahrzeuge, Fussgänger und die umliegende Infrastruktur einbeziehen. Beispielsweise können Fahrzeuge erkennen, dass sich ein Krankenwagen nähert, bevor der Fahrer überhaupt die Sirene hört. Genauso können dem Fahrer lange vor dem Ziel Parkmöglichkeiten angeboten werden. Oder er wird frühzeitig informiert, dass Passanten einen Zebrastreifen überqueren.
Derartige Entwicklungen sind keine Science Fiction. Sie gibt es bereits. Es bedarf nur einer stärkeren Verbreitung. Dies wird wiederum dazu führen, dass sich die gesamte Daten-Infrastruktur in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln wird. Heute braucht es schätzungsweise immer noch 25 GB pro Stunde, um ein Fahrzeug zu vernetzen. Im Vergleich dazu sind nur 869 MB pro Stunde nötig, um einen hochauflösenden Film zu streamen. Diese Lücke wird die Industrie in den Bereichen Daten-Management, Halbleiter-Ausstattung, Cloud-Computing, Breitband-Internetzugang und Echtzeitkommunikations-Technologie schliessen müssen. Denn autonome und vernetzte Mobilität der Zukunft kann nur funktionieren, wenn wir ein Internet haben, das in Echtzeit Daten verarbeitet und weiterleitet. In diesen Bereichen sind Unternehmen wie der Kommunikationsausrüster Lumentum, der Internet-Software-Hersteller Autohome oder der Halbleiter-Produzent ON Semiconductor bereits gut positioniert.
Kurzum: Das Thema "Mobilität" ist ein Trend, der heute noch in den Kinderschuhen steckt. Anleger, die das Potenzial erkennen und Chancen und Risiken realistisch einschätzen, sollten aus unserer Sicht jedoch nicht warten, sondern frühzeitig auf den Zug bzw. das Elektroauto aufspringen.
BNY Mellon Investment Management
BNY Mellon Investment Management ist eine der weltweit führenden Investmentgesellschaften mit einem verwalteten Vermögen von 1,8 Billionen US-Dollar (Stand: Juni 2018). Das Haus setzt auf ein breitgefächertes Multi-Boutique-Modell und deckt darüber das gesamte Anlagespektrum von Aktien über Anleihen bis Alternative Investments ab. Unter dem BNY Mellon IM-Dach sind zurzeit 10 Investmenthäuser vereint.
Martin Rees - Martin Rees ist seit 2016 Leiter Vertrieb Wholesale Schweiz bei BNY Mellon Investment Management. Vor seinem Wechsel zu BNY Mellon arbeitete Rees als Executive Director bei Goldman Sachs Asset Management in Zürich. Zuvor war er bei der Credit Suisse im Bereich Alternative Investments Sales und als Hedge Fund Analyst tätig. Rees bringt einen Bachelor of Business Administration (BBA) von der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich mit. Zudem ist Rees CFA-Charterholder und Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA).
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.
Inside Fonds
Meistgelesene Nachrichten
Top-Rankings
Börse aktuell - Live Ticker
KI-Sorgen und Bitcoin-Verfall im Fokus: Dow erstmals über 50'000 Punkten -- SMI und DAX gehen fester ins Wochenende -- Asiens Börsen letztlich mehrheitlich tieferDer heimische sowie der deutsche Markt notierten vor dem Wochenende höher. Der Dow erreichte ein Allzeithoch. Die wichtigsten asiatischen Indizes präsentierten sich am Freitag mehrheitlich schwächer.


